Es entwickelt sich, die Projekte im Stadtlabor Gallus in Frankfurt nehmen Gestalt an

Im lesenswerten Blog zum aktuellen „Stadtlabor unterwegs“ im Gallus berichtet Angela Jannelli über die Entwicklung der Projekte der Co-Kurator*innen und der „kuratorischen Beratung“ seit Oktober im Quäkerpavillon. Spannend und vielfältig wird sich die Ausstellung im Jahr 2015 mit ihrem Rahmenprogramm entwickeln, so wie eben auch das Gallus ist 🙂

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In ihrem Blogpost berichtet Frau Jannelli bespielhaft unter anderem auch über das GallusDippe-Projekt, welches „sich des Themas der Lebensmittelversorgung und des Kochens annimmt“: Die Projekte nehmen Gestalt an

Geplant sind Kochaktionen mit saisonalen Lebensmitteln sowie Fotos von heutigen “Frankfurter Küchen”. Die ABG beteiligt sich auch gleich mit mehreren Projekten: Sie öffnen zum einen ihre Archive für Recherchen, z.B. zu den frühreren Geschäften in den von der ABG verwalteten Siedlungen. Zur alten und neuen Hellerhofsiedlung wird es Blätterbücher geben und ein Buch über die aktuellen Sanierungsmaßnahmen. Last but not least – und wir drücken die Daumen, dass das auch wirklich klappt! – würde sie uns vielleicht auch eine original Frankfurt Küche leihen! Das wäre in tolles Pendant zu den aktuellen Küchen-Fotos von Herrn Schneider!

Von der Geschichtswerkstatt hören wir auch viel: Frau Ullrich wird ihre wunderschönen s/w-Fotos des alten Güterbahnhofs ausstellen – unvorstellbar, wenn man heute durch das neu gebaute Europaviertel fährt, das ja gerade von den neuen Bewohner in Besitz genomlmen wird! Das Ehepaar Emrich hat unsere Sammlung durchforstet und will einen Ausstellungsbeitrag zur Darstellung des Gallus auf historischen Karten beisteuern. Mit einem Teil der Industriegeschichte, nämlich der Firma Bünte & Remmler beschäftigt sich Elke Peters, die sozusagen als Gast aus Ginnheim auch bei diesem Stadtlabor unterwegs ist!

Wie das Gallus sich für Jugendliche darstellt, wird die JugendKulturWerkstatt Gallus in mehreren Projekten zeigen, die allesamt eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Stadtteil sind.

Für einen kleinen Einblick muss das vorerst reichen! Am aktuellen Stadtlabor sind noch viel mehr Personen und Initiativen als Co-Kurator*innen beteiligt als die eben genannten! Ihre Beiträge sollen hier bald auch kurz skizziert werden. In diesem Sinne: auf bald!

An dieser Stelle auch ein ganz großes DANKE an das Team des „Stadtlabors unterwegs“ im Historischen Museum für die tolle, hilfreiche Arbeit, Unterstützung und Organisation!!! 😀

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Der Apfelwein-Bembel ist gerettet – ABER war er jemals in Gefahr?

Auch im Gallus wird Apfelwein getrunken, natürlich gibt es auch hier Bembel. Daher ein erster Schock und refelexartige Abwehrreaktion: „Die EU will den Bembel verbieten, typisch Regulierungswahn!“ Wagemutig würde daher jetzt die hessische Landesregierung gegen das drohende EU-Verbot kämpfen. So haben es Medienberichte zumindest suggeriert.

Doch was steckt und steckte wirklich dahinter? Zugegeben, auch ich habe mich anstecken lassen, in Vertrauen auf Seriosität der Meldungen in verschiedenen Medien. Etwas Recherche hätte hier aber auch den Medien gut getan. Denn „die Behauptung, Apfelweinkrügen wie Bembel und Viezporz drohe wegen einer EU-Richtlinie das Aus, ist falsch“:
Die besagte EU-Richtlinie für Messgeräte stammt aus dem Jahr 2004 [ist also 10 Jahre alt!!!] und läßt zudem den EU-Staaten, auch Deutschland, „freie Hand bei der Entscheidung, ob und wie sie die Vorgaben über Messgeräte anwendet“:

Den Gebrauch von Keramikkrügen für Wein oder Steinkrügen für Bier einzuschränken, wäre eine rein nationale Entscheidung und wird durch EU-Recht in keiner Weise verlangt“, sagte Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland. „Die EU-Regeln geben nationalen Akteuren bewusst großen Spielraum, um regionale Traditionen zu schützen. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Europäische Union das Subsidiaritätsprinzip achtet und den Mitgliedstaaten eben keine kleinlichen Vorgaben macht.
ec.europa.eu: Bembel und Viezporz wegen EU-Richtlinie nicht in Gefahr

Stellt sich die Frage, warum jetzt/und vom wem wurde das angestoßen, 10 Jahre NACH der entsprechenden Verordnung? Warum ist diese Diskussion um das das vermeintliche EU-Bembel-Aus aufgekommen!?! Sollte in Deutschland der Bembel verboten werden? Gab es da einen Anstoß? Oder möchte sich da jemand als vermeintlicher „Retter des Bembel“ anbiedern? Im Web 2.0 nennt sich sowas übrigens HOAX (Schabernack, Schwindel, Falschmeldung, … ), ein kleines #Bembelgate um das vermeintliche #Bembelaus …

Die Geschichte der Apfelweinkultur im Gallus ist ein Teilaspekt im Dippegucker-Projekt, daher freuen wir uns über entsprechende Hinweise und Geschichten 😉

„Was das Gallus bewegte“ von Hanne Emrich

Zur Recherche im Dippegucker-Projekt gehört natürlich auch die Textarbeit und Sichtung schon veröffentlichter Arbeiten. Ein empfehlenswertes, informativ-spannendes Grundlagenwerk ist dabei sicher auch für andere „Stadtlabor unterwegs“-Projekte im Gallus „Was das Gallus bewegte“ von Hanne Emrich aus dem Jahr 2008.

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Die Arbeit ist keine klassische Chronik des Gallus(-viertels):

In dieser Zusammenstellung geht es mir darum, verschiedene Ereignisse, die hier geschehen sind, vor dem Vergessen zu bewahren. […]
Manche der hier dargestellten Geschehnisse erregten die Menschen im Gallusviertel, man sprach darüber. Anderes geschah eher unbemerkt und wurde erst Jahrzehnte später publiziert. Manche Begebenheiten habe ich eher zufällig entdeckt und bin ihnen nachgegangen.
Hanne Emrich in ihrer Vorbemerkung

Das Buch im Selbstverlag ist in der Stadtbücherei Frankfurt und der Universitätsbibliothek der Goethe Universität verfügbar.
Die Lese-Empfehlung gilt übrigens ausdrücklich auch für alle, die nicht im Stadtlabor aktiv sind/sein möchten, für alle Frankfurter*innen und besonders für Bewohner*innen des Gallus – danach seht Ihr Euren Stadtteil mit anderen Augen 😉